Vorsicht Falle: Stromverträge am Telefon

Die Kundschaft als Beute: Telemarketingagenturen geben sich als Netzbetreiber aus und bieten auf betrügerische Art telefonisch unvorteilhafte Mogelpackungen als vermeintliche Schnäppchen an – und das trifft vor allem auf die Monate vor dem Ende des geschützten Grundversorgungsdienstes für private Stromkund*innen am 30. Juni 2024 zu. Dabei werden die Verbraucherinnen und Verbraucher mit Telefonanrufen zum Abschluss von angeblich kostengünstigen Stromlieferverträgen aufgefordert. Achtung: Schon das Wort „Ja“ („Si“) kann – unabhängig vom sprachlichen Kontext, in dem es gebraucht wird – einen Vertrag aktivieren. Wenn die telefonisch gestellte Falle zuschnappt, folgen ein ungewollter Wechsel des Anbieters und hohe Rechnungen.

Was ist zu tun, wenn ein Stromvertrag – ohne die eigene Zustimmung – aktiviert wird? Man kann schriftlich – mit Einschreiben mit Rückantwort oder PEC – Beschwerde einlegen. Der Anbieter ist dann verpflichtet, innerhalb von 30 Tagen eine begründete Antwort zu geben. Erfolgt die Antwort nicht innerhalb dieser Frist, steht den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Entschädigung zu. Eine Lieferungs-Unterbrechung aufgrund der Nicht-Bezahlung einer Rechnung ist nur möglich, wenn per Einschreiben eine Mahnung mit der Ankündigung der Unterbrechung zugeschickt wird. Wer zu seinem früheren Anbieter zurück wechseln will, sollte das zeitnah selbst tun und diesen Lieferunternehmen kontaktieren. Der Tipp von Ötzi Strom: Gebt Telefonverkäufer*innen niemals eure POD-Nummer, eure Steuernummer oder eure E-Mail-Adresse aus. Legt einfach den Hörer auf oder beendet das Gespräch mit dem kurzen Satz „No, grazie“, um diese Art von Falle zu vermeiden.

Ein win-win Projekt: Wie Daten zu Gratis-Energie werden

Der britische Energieversorger Octopus Energy hat im Januar 200 Millionen Pfund in das junge Technologieunternehmen Deep Green investiert – und möchte damit in Großbritannien ein neues Geschäftsmodell unterstützen. Deep Green will energieintensive Einrichtungen wie Sport- und Freizeitanlagen oder Schulen kostenfrei mit Wärmeenergie versorgen, die in den eigenen Rechenzentren entsteht. Ein Pilotprojekt wurde bereits umgesetzt: So konnte ein öffentliches Schwimmbad in der Gemeinde Exmouth in der englischen Grafschaft Devon die hohen Heizkosten aufgrund der Kooperation mit Deep Green um über 60 Prozent reduzieren.

Das Konzept ist einfach: Deep Green installierte in einem Keller unter dem Schwimmbecken ein kleines Rechenzentrum – die Wärme der Computer erwärmt dort das Wasser und die Wärmeabgabe an das Schwimmbad kühlt wiederum – ebenfalls kostenfrei – die Computer. Laut Recherchen der britischen Tageszeitung „The Guardian“ wurden in England seit 2010 fast 400 Schwimmbäder geschlossen, weil sich die Standortgemeinden die Energiekosten nicht mehr leisten konnten. Die Kund*innen von Deep Green nutzen die Mini-Rechenzentren für Anwendungen wie KI, maschinelles Lernen, Videorendering oder Cloud-Dienstleistungen.

In Großbritannien ist Octopus Energy der zweitgrößte Energieversorger für Haushaltskund*innen und bezeichnet sich als EnerTech-Unternehmen mit dem Ziel, die Energiewende weltweit zu pushen und Ökostrom für alle bezahlbar zu machen. Der 2015 gegründete EnerTech-Player, der weltweit Windparks und Solarkraftwerke betreibt, ist in den vergangenen Jahren massiv gewachsen – und fällt immer wieder durch ungewöhnliche Aktionen auf.  So rief Octopus Energy seine Kund*innen an einem Sonntag im Mai 2021 per Push-Nachricht auf dem Smartphone auf, Strom zu verbrauchen – und damit Geld zu verdienen. Mehr als 70.000 Menschen folgten dem Aufruf, der kein Marketing-Gag war – sondern ein Vorgeschmack auf die Strommärkte der Zukunft. Während der Octopus-Energy-Aktion waren die Strompreise negativ. Es gab so viel Wind und Sonne, dass zu viel Energie im Netz war. Der Strom hätte abgeregelt werden müssen, stattdessen floss er in spontan eingeschaltete Waschmaschinen.

Waldmedizin: Die Kraft der Bäume

Es wird Frühling – und damit sind wieder Wanderungen und Spaziergänge in schnee- und eisfreien Wäldern möglich. Der Wald ist für uns längst nicht mehr nur eine ökonomische Nutzfläche, sondern auch ein Ort der Erholung. Ärztliche und wissenschaftliche Fachkräfte erkennen inzwischen, dass vom Wald auch eine medizinische Wirkung ausgeht. Schon lange wird der Wald bei seelischen Leiden wie Depressionen zur Therapie eingesetzt. Vielleicht werden Ärzt*innen in Zukunft den Wald sogar als Medizin verschreiben, denn Waldluft ist gesund und enthält weniger Staubteilchen als in der Stadt. Zudem wandeln die Bäume nicht nur klimaschädliches CO2 in großen Mengen in Sauerstoff um, sondern setzen noch etwas frei: die Terpene oder flüchtige organische Substanzen, die seit dem Altertum aus zahlreichen Pflanzen wie Eukalyptus, Minze, Lemongrass, Zitronen oder Thymian gewonnen werden.

Japanische Wissenschaftler*innen haben die Wirkung der Terpene auf den Menschen in einer Blindstudie untersucht. In einem Hotel in Tokio quartierten sie zwölf Proband*innen ein und verströmten nachts eine Mischung von Terpenen, die im Wald am häufigsten vorkommen – jedoch nur in der Hälfte der Zimmer. Am nächsten Tag wiesen die Blutproben der Kandidat*innen, die in diesen Zimmern geschlafen hatten, eine deutlich höhere Anzahl und Aktivität der körpereigenen Abwehrzellen auf. Diese immunisierende Wirkung bioaktiver Substanzen ist in der natürlichen Umgebung allerdings noch intensiver als bei Versuchen in der Stadt. Japanischer „Waldmediziner“ wiesen nach, dass schon regelmäßige 30-minütige Waldspaziergänge die Gesundheit positiv beeinflussen können. Der Wald als Kraftort: Ein Waldspaziergang als Therapie steht natürlich jeder und jedem offen und zwar ganz kostenlos.

Energie und Umweltschutz: Das „zweite Leben“ für PV-Module

Die europäische Solarindustrie hat in den vergangenen Jahren ein beispielloses Wachstum erlebt – und muss sich jetzt der Herausforderung stellen, was zu tun ist, wenn PV-Anlagen in naher Zukunft das Ende ihres Lebenszyklus erreichen. Wenn man bedenkt, dass die ersten PV-Systeme in Europa in den frühen 2000er Jahren installiert wurden und man von einer 20-jährigen Lebensdauer von PV-Modulen ausgeht, ist schon heute absehbar, dass die Abfallströme aus der Solarenergie noch vor 2030 beträchtlich sein werden. Nach der Stilllegung von PV-Anlagen ist es laut einer Studie des Branchenverbands SolarPower Europe möglich, die Lebensdauer von PV-Paneelen zu verlängern, auch wenn das Recycling von Einzelkomponenten immer noch die Standardstrategie für die Entsorgung stillgelegter PV-Paneele ist. SolarPower Europe hat Vorschläge für ein „End-of-Life-Management“ entwickelt. Demnach könnten in den nächsten Jahren mehr als 50 Prozent der gebrauchten PV-Paneele, die als „Abfall“ gelten, wiederverwendet werden, da sie immer noch funktionstüchtig sind.

PV-Paneele werden von der Solarindustrie als Abfall betrachtet, wenn die Leistung unter ein garantiertes Niveau fällt. Wenn ein PV-Paneel das Ende seiner natürlichen technischen Lebensdauer erreicht (nach mindestens 25 Betriebsjahren), verfügt es schätzungsweise noch über etwa 80 Prozent seiner ursprünglichen Stromerzeugungskapazität, die genutzt werden könnte, wenn man dem Modul ein verlängertes oder zweites Leben gäbe. Derzeit erlebt die PV-Industrie einen beispiellosen Anstieg der Modernisierungs- und Repowering-Aktivitäten, die darauf abzielen, die Leistung bestehender Anlagen durch den Austausch alter PV-Module zu verbessern. Dies trägt dazu bei, dass immer mehr Module vor dem Ende ihrer natürlichen Lebensdauer früher als geplant außer Betrieb genommen werden.

Der vorzeitige Austausch von PV-Paneelen bietet neue Möglichkeiten zur Optimierung bestehender Anlagen, ohne dass neue Flächen benötigt werden. Gleichzeitig stellt er aber eine große Herausforderung für Wartungsdienstleistende sowie Abfallkonsortien und Recycelnde dar. Ist das Recycling – etwa von Solarsilizium, Silber oder Glas – die einzige Option oder ist ein „zweites Leben“ möglich?

Stillgelegte PV-Paneele – so die Antwort von SolarPower Europe – sollten nur dann die Recyclingphase erreichen, wenn sie nicht mehr einsatzbereit oder für den Second-Hand-Gerbrauch nicht geeignet sind. Ein „zweites Leben“ könnte bei der Stromerzeugung für E-Bikes, in Bewässerungsanlagen, in Carports oder in Stromspeicherungssystemen beginnen. Dazu braucht es allerdings ein Abfallmanagement für PV-Anlagen mit technischen Checks und Reparaturen sowie neue Update- und Upgrade-Verfahren durch die jeweiligen Herstellfirmen.

In einem dreijährigen Projekt befasst sich auch das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Baden-Württemberg mit der Reparatur und Wiederverwendung von PV-Modulen. Demnach seien bei einem Großteil der Module auch nach mehr als 20 Jahren Betriebszeit kaum Leistungsdegradationen zu sehen, insbesondere bei Standorten mit gemäßigtem Klima wie Mitteleuropa. Nach Erfahrungen des Projektpartners „2nd Life Solar“ seien derzeit noch rund 70 Prozent (!) der aussortierten PV-Paneele direkt betriebsfähig.

Hier geht’s zur Studie von Solar Power.

Geschlechtergleichheit: SEV erhält Gender-Equality-Zertifikat

Der Südtiroler Energieverband SEV hat die Zertifizierung für die Gleichstellung der Geschlechter erhalten. Mit dieser Urkunde unterstreicht der SEV das eigene Engagement, wenn es darum geht, die Kluft zwischen den Geschlechtern zu schließen und ein integratives Arbeitsumfeld zu schaffen. Der SEV erfüllt damit die Vorgaben des italienischen Gender-Equality-Standards Uni/Pdr 125:2022. Im Zertifizierungsprozess hat der SEV bewiesen, dass der Verband über ein internes Managementsystem verfügt, dass Prozesse und Maßnahmen in den Bereichen Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion unterstützt.  

Das Uni/Pdr 125:2022-Zertifikat umfasst präzise Leitlinien für die Erfassung wichtiger Leistungskennzahlen zur Bewertung von Unternehmen wie etwa ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern bei der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein psychologisch und psychophysisch angenehmes Arbeitsumfeld, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Angebote oder Maßnahmen zur Verhinderung von körperlichem, digitalem oder verbalem Missbrauch am Arbeitsplatz. Diese Standards gelten natürlich in der gesamten SEV-Gruppe – mit dem Südtiroler Energieverband als starke Vertretung der ganzen Südtiroler Energiewirtschaft, der SEV-Genossenschaft als Dienstleister und unserer Verbrauchergenossenschaft Ötzi Strom.

Mit gutem Beispiel voran: Der Energiefachverband FIPER

Seit der Gründung im Jahr 2001 vertritt der italienische Verband FIPER (Federazione di Produttori di Energia da Fonti Rinnovabili) im römischen Politikbetrieb die Interessen von Biomasse-Fernheizwerken und Biogasanlagen. FIPER gehören – neben landwirtschaftlichen Betrieben im Bereich der Holzverarbeitung – 96 Biomasse-Fernheizwerke in Norditalien an. Als Lobbyist setzt sich FIPER für eine nachhaltige, bodenständige und umweltfreundliche Potenzierung der Erzeugung von Wärme und Strom aus erneuerbarer Energie ein. So sollen – laut aktuellen Vorschlägen von FIPER – mehr als 400 neue und mit einheimischer Biomasse befeuerte Heizwerke den fossilen Brennstoff Methan in italienischen Berggebieten ersetzen.

In der Lobbyarbeit arbeitet FIPER eng – und erfolgreich – mit dem Südtiroler Energieverband SEV zusammen. SEV-Präsident Hanspeter Fuchs ist der Vizepräsident von FIPER. SEV-Direktor Rudi Rienzner und der Generaldirektor der Stadtwerke Bruneck Gustav Mischi gehören dem FIPER-Verwaltungsrat an. Im April 2023 diskutierten im Rahmen einer von FIPER und dem Südtiroler Energieverband SEV organisierten Fachtagung im NOI-Techpark in Bozen Experten aus dem In- und Ausland über die Nutzung der Bioenergie Holz, die Waldbewirtschaftung und die große Bedeutung der Biomasse für eine klimafreundlichen Energieautonomie. Der Hintergrund: Italien gibt es 12 Millionen Hektar Wald, aber weniger als 30 Prozent der dort entstehenden Biomasse werden auf diesen oft vernachlässigten oder nicht bewirtschafteten Flächen tatsächlich geerntet. Mit einer konsequenten Nutzung der Holzressourcen und der Anwendung innovativer Technologien könnte Italien 2050 ein Drittel des eigenen Energiebedarfs mit Holz decken. Die Verwendung von Biomasse ist übrigens vielfältig und reicht von Treibstoffen über das Bauwesen bis zur Produktion von Wasserstoff.

Die Kooperation mit FIPER nutzt auch Südtiroler Betrieben. So ist es FIPER und SEV in vielen Gesprächen mit der gesamtstaatlichen Aufsichtsbehörde ARERA gelungen, die Mehrheit der Südtiroler Fernheizwerke von der neu eingeführten Regulierung der Tarifgestaltung zu befreien. Die ab dem 1. Januar 2024 geltende Tarifregelung der ARERA sieht eine Obergrenze für Betriebserlöse vor, die nicht überschritten werden darf. Dieser neue Grenzwert beeinflusst daher automatisch die Festlegung der Preise für die Endkunden. Die Umsetzung der ARERA-Regulierung ist zudem bürokratisch überaus aufwändig. Die meisten Fernheizwerke in unserem Land sind klein und genossenschaftlich organisiert. Deren Kunden sind Mitglieder ihrer Genossenschaft und damit Mitbesitzer ihres Fernheizwerks und üben eine direkte Kontrollfunktion aus, die natürlich auch die Fixierung der Wärmepreise umfasst.