Biodiversität: Das leise Sterben

Die Artenvielfalt in Europa geht immer weiter zurück. Am 23. Mai hat das europäische Statistikamt Eurostat seinen Jahresbericht 2022 über die nachhaltige Entwicklung in der Europäischen Union vorgelegt. Das umfangreiche Papier analysiert 17 von den Vereinten Nationen formulierte Nachhaltigkeitsziele – von der Armutsbekämpfung und der Gleichberechtigung der Geschlechter über „grüne“ und bezahlbare Energie, die Wasserqualität und den Kampf gegen den Hunger bis zu einem effizienten und allgemein zugänglichen Bildungssystem. Das Ziel Nr. 15 „Life on Land“ (Leben an Land) soll dem Verlust an Wäldern und der Ausbreitung von Wüsten entgegenwirken, abgewirtschaftetes Land und Böden wiederherstellen, den Verlust biologischer Vielfalt stoppen und bedrohte Arten schützen. Die aktuellen Eurostat-Zahlen in diesem Schlüsselbereich sind allarmierend: Für mehrere Arten und Lebensräume, die von der EU eigentlich geschützt werden sollten, dokumentiert der Bericht einen ungünstigen Schutzstatus. Obwohl der Waldanteil in der EU wachse, nehme der Druck auf die biologische Vielfalt – vor allem bei Vögeln und Wiesenschmetterlingen – zu, weil immer mehr landwirtschaftliche, halbnatürliche und natürliche Gebiete bebaut und intensiver bewirtschaftet würden. Von 1990 bis 2020 sank die Zahl der allgemeinen Vogelarten in der EU um 13,3 Prozent, die der auf Landwirtschaftsflächen heimischen Vogelarten um 36,9 Prozent. Der Bestand an Schmetterlingen, die zu den verbreitetsten Bestäubern von Pflanzen zählen, ging von 1991 bis 2018 sogar um ein Viertel zurück.

Befreiung Fernsehgebühr für das 2. Halbjahr 2022

Wusstet ihr schon, dass die Befreiung von der Fernsehgebühr für das zweite Halbjahr 2022 bis zum 30. Juni beantragt werden muss?

Damit die Anlastung der RAI-Gebühr auf der Stromrechnung nicht erfolgt, können die ansässigen Haushaltskunden, die Inhaber eines Stromlieferungsvertrages sind, eine Ersatzerklärung über das Nichtvorhandensein eines Fernsehgerätes einreichen. Um die Befreiung von der RAI-Gebühr zu erhalten darf allerdings kein Mitglied der meldeamtlich eingetragenen Familie Inhaber eines Fernsehgerätes sein.

Wer mehrere Wohnungen mit Stromverträgen, die auf seinen Namen ausgestellt, besitzt, kann erklären, dass sich auch in diesen Wohnungen kein TV-Gerät befindet.

Die Ersatzerklärung über das Nichtvorhandenseins eines Fernsehgerätes hat eine Gültigkeit von einem Jahr und kann nur von Inhabern eines Stromlieferungsvertrages für ansässige Haushaltskunden (ausgenommen die Erben) online, über einen Vermittler (Steuerberater oder Steuerbeistand) oder auf dem Postweg eingereicht werden.

Weitere Informationen: Infoblatt Agentur der Einnahmen2

EU: Repower Europe

Mehr erneuerbare Energie = mehr Versorgungssicherheit und mehr Klimaschutz. Mit ihrem REPower-EU-Plan reagiert die Europäische Kommission die Belastungen und Störungen auf dem globalen Energiemarkt, die durch Russlands Invasion in die Ukraine verursacht wurden. Damit will die Kommission vor allem die Abhängigkeit der EU von fossilen Brennstoffen aus Russland zu beenden. Dazu schlägt der REPowerEU-Plan Energieeinsparungen, die Diversifizierung der Energieversorgung und den Ausbau erneuerbarer Energien als Ersatz für fossile Brennstoffe in Privathaushalten, in der Industrie und in der Stromerzeugung vor.

Eine EU-Energieplattform soll die gemeinsame Beschaffung von Gas, Flüssigerdgas und Wasserstoff ermöglichen, indem die Nachfrage gebündelt, die Nutzung der Infrastruktur optimiert und die Kontaktaufnahme zu Lieferanten koordiniert wird. Als nächsten Schritt wird die Kommission die Entwicklung eines „gemeinsamen Beschaffungsmechanismus“ – wie er sich beim gemeinsamen Programm zum Ankauf von Impfstoffen bewährt hat – in Erwägung ziehen, der im Namen der teilnehmenden Mitgliedstaaten Gaskäufe aushandeln und vertraglich abschließen wird. Die Kommission plant zudem legislative Maßnahmen, um von den Mitgliedstaaten eine Diversifizierung der Gasversorgung im Laufe der Zeit zu verlangen. Darüber hinaus wird die Plattform eine gemeinsame Beschaffung von ‚“grünem“ Wasserstoff aus erneuerbarer Energie ermöglichen. Zudem schlägt die Kommission vor, das bisherige Kernziel für 2030 für erneuerbare Energien im Rahmen des Pakets „Fit für 55“ von 40 Prozent auf 45 Prozent anzuheben. Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Eine Solarstrategie zur Verdopplung der fotovoltaischen Leistung bis 2025 und zur Installation von weiteren 600 GW bis 2030 mit der Einführung einer Verpflichtung zur Installation von Solarpaneelen auf allen neuen Gebäuden.
  • Die Verdopplung des Tempos bei der Einführung von Wärmepumpen und Maßnahmen zur Integration geothermischer und solarthermischer Energie in Fernwärmesysteme.
  • Die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien, die zu einem Bereich von öffentlichem Interesse werden sollen.
  • Die Mitgliedstaaten sollen „go-to“-Gebiete mit geringeren Umweltrisiken und mit vereinfachten Genehmigungsverfahren ausweisen.
  • Bis 2030 sollen in der EU zehn Millionen Tonnen Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen produziert und zehn Millionen Tonnen erneuerbarer Wasserstoff importiert werden, um Erdgas, Kohle und Öl in schwer zu dekarbonisierenden Industrien zu ersetzen.
  • Eine neue Industrieallianz für Biomethan und finanzielle Anreize zur Steigerung der Produktion auf 35 Milliarden Kubikmeter bis 2030.

Atomenergie: Oldies – Not Goldies!

Ist die Atomkraft eine Option im Kampf gegen den Klimawandel? Nachrichten aus Frankreich stellen diese – von der französischen Politik vertretene – These zumindest in Frage. So waren am 16. Mai 29 (!) der 56 aktiven französischen Atomreaktoren nicht im Betrieb. Damit war zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte des aktuellen Reaktorparks in Frankreich nicht verfügbar. Gründe dafür waren gleichzeitig vorgenommene Routineabschaltungen zur Wartung der Anlagen und notwendige Tests angesichts der Verlängerung der Betriebszeiten auf mehr als 40 Jahre. Dazu kommt das noch ungelöste Problem der Korrosion an den Rohrleitungen.

Schon nach dem Jahreswechsel war die Produktion in den Nuklearanlagen so niedrig wie seit 1999 nicht mehr. Im Januar erzeugten die französischen Kernkraftwerke nur 48 Gigawatt (GW) Strom – bei einer installierten Leistung von 61,4 GW. In den folgenden Monaten sanken die Produktionszahlen weiter: Seit Ende April stehen in Frankreich weniger als 30 GW Leistung zur Verfügung. „Normal“ sind im Monat Mai 40 bis 45 GW. Dieser „Abwärtstrend“‘ hat allerdings schon vor mehreren Jahren begonnen: Von 2000 bis 2015 war die Produktion des französischen Kraftwerksparks weitgehend stabil, mit einem Höhepunkt im Jahr 2005, als Kernkraftwerke 78 Prozent des in Frankreich erzeugten Stroms lieferten. 2020 stellte der vorwiegend aus den 1970er und 1980er Jahren stammende Kraftwerkspark dann „nur“ noch 67 Prozent der französischen Stromerzeugung bereit, 2019 waren es dann 72 Prozent.

Ein Grund für diese Unregelmäßigkeiten ist das hohe Alter der Anlagen: Bei einem nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima 2011 in allen EU-Staaten durchgeführten Stresstest wurden bei allen französischen Atomkraftwerken größere Mängel und erheblicher Nachrüstbedarf festgestellt. Ein Detail: Damals waren alle aktiven französischen Atommeiler nicht ausreichend gegen Naturkatastrophen geschützt. Angesichts der Klimakrise setzt die französische Regierung dennoch auf eine „Renaissance“ der Kernenergie, mit der Errichtung neuer Kraftwerke und einer Laufzeitverlängerung des Kraftwerksbestands auf 50 Jahre.

Nur: Der Bau neuer Atomkraftwerke ist sehr teuer – und braucht viel Zeit. Von der Planung über den Baubeginn bis zur Inbetriebnahme vergehen mindestens zehn bis 15 und häufig noch viel mehr Jahre. So begannen die Bauarbeiten für das Kernkraftwerk Flamanville in der Normandie 2009 und vor 2023 wird die Anlage nach dem heutigen Wissenstand keinen Strom liefern. Sicher ist: Ein Windpark mit „grünem“ Strom ist billiger – und viel schneller am Netz.

Energiegemeinschaften als Zukunftsmodell

Eine Zeitenwende? Verbraucherinnen und Verbraucher elektrischer Energie schließen sich zusammen und produzieren ihren eigenen Strom. Werden die – lokalen und dezentralen – Energiegemeinschaften zum Schlüsselelement einer klimafreundlichen Energieversorgung und wie kann es den neuen „Prosumern“ gelingen, ihre Stromrechnungen spürbar zu senken?

Die Rechtsgrundlagen: 2019 hat die Europäische Union ihr energiepolitisches Regelwerk aktualisiert, um eine nachhaltige Energiewende zu ermöglichen. Die wichtigsten Dokumente dieses Clean Energy Package for all Europeans (CEP) sind die Renewable Energy Directive (RED II) über die Förderung und den Ausbau erneuerbarer Energie und die Electricity Market Directice (EMD) über die Gestaltung des Energie-Binnenmarkts. Die beiden Richtlinien formulieren Rahmenbedingungen für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und Bürger-Energiegemeinschaften. Im Artikel 22 der RED II heißt es: „Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass sich Endkunden und insbesondere Haushalte, unter Beibehaltung ihrer Rechte oder Pflichten als Endkunden, an einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft beteiligen dürfen, ohne ungerechtfertigten oder diskriminierenden Bedingungen oder Verfahren unterworfen zu sein“. 

Die Umsetzung dieser Richtlinie begann in Italien im März 2020 und soll – nach der Verabschiedung des gesetzvertretenden Dekrets zur Umsetzung der RED II im November 2021 (199/2021) im italienischen Parlament – im September mit den entsprechenden Umsetzungsbestimmungen der Regulierungsbehörde ARERA abgeschlossen sein. Die Energiegemeinschaft kann sich im Gründungsakt für eine Rechtsform ihrer Wahl entscheiden – die attraktivsten Varianten dürften in diesem Fall der Verein oder die Genossenschaft sein.

Energiegemeinschaften nutzen erneuerbare Energie für eine nachhaltige, lokale und „grüne“ Erzeugung von Strom. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Die Energiegemeinschaft wird von ihren Anteilseignern oder Mitgliedern geführt und kann nicht nur Anlagen zur Stromproduktion errichten, sondern, neben der Erzeugung, dem Verbrauch, der Verteilung und der Speicherung von elektrischer Energie auch Energiedienstleistungen (wie etwa die Installation von Ladesäulen für E- Autos) anbieten. Mitglieder oder Anteilseigner einer Energiegemeinschaft können natürliche Personen wie die Eigentümer von Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus, kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Gebietskörperschaften und öffentliche Verwaltungen sein. Bei privaten Unternehmen darf die Beteiligung an der Energiegemeinschaft nicht die wichtigste kommerzielle und/oder industrielle Tätigkeit sein.

Um Strom produzieren zu können, muss die Energiegemeinschaft eine eigene Erzeugungsanlage (wie etwa PV-Module auf dem Dach des eigenen Wohnhauses, oder eine PV-Anlage auf einer Wiese) errichten und betreiben. Die vorgegebene Leistungsgrenze liegt hier bei einem Megawatt. Zudem müssen alle Mitglieder der Energiegemeinschaft am selben Umspannwerk angeschlossen sein. Damit können sich auch Eigentümer mehrerer entfernt voneinander liegender Gebäude in einer Energiegemeinschaft zusammenschließen. Diese kann auch bereits bestehende Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie nutzen – wenn deren Leistung die Schwelle von 30 Prozent der neu installierten Leistung nicht übersteigt.

Die Mitglieder der Energiegemeinschaft beziehen ihren Strom weiterhin aus dem Netz und erhalten weiterhin die Stromrechnung des von ihnen gewählten Lieferanten. Der gemeinsam produzierte Strom wird wiederum in das Netz eingespeist. In diesem Verfahren sind für die Energiegemeinschaft drei Einnahmequellen vorgesehen: Für den – virtuell berechneten – Eigenverbrauchsanteil an der gemeinsam erzeugten elektrischen Energie zahlt das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung MI.S.E.einen Förderbetrag in Höhe von 110 Euro pro Megawattstunde. Für den Überschussstrom erhält die Energiegemeinschaft eine vom GSE (Gestore Servizi Energetici) ausgezahlte Vergütung. Dazu kommt die Rückerstattung von Systemgebühren. Das heißt: Je höher der Anteil des selbst produzierten Stroms am Eigenkonsum ist, desto größer sind die wirtschaftlichen Vorteile für die Energiegemeinschaft.

In Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband Coopbund nimmt Ötzi Strom an Veranstaltungen zum Thema „Energiegemeinschaften“ teil. Über diese Termine werden wir euch via Mail sowie auf unseren Social-Media-Kanälen informieren.

STROMBÖRSE: so entsteht der Strompreis

Die Menge des einzuspeisenden Stroms wird im europäischen Großhandel einen Tag im Voraus festgelegt. Die Kraftwerksbetreiber legen in einem Auktionsverfahren aufgrund dieser Daten Preisangebote und Liefermengen für bestimmte Zeiträume vor. Die Einsatzreihenfolge wird dann vom billigsten Kraftwerk aufsteigend bis zum teuersten Angebot des letzten zur Bedarfsdeckung noch notwendigen Kraftwerks ermittelt.

Dieses so genannte „Merit-Order“-System orientiert sich an den niedrigsten Grenzkosten, die bei einem Kraftwerk für die letzte produzierte Megawattstunde anfallen. Kraftwerke, die – wie Windparks, Wasserkraftwerke oder Solaranlagen – die niedrigsten Stromgestehungskosten aufweisen, führen diese Einsatzreihenfolge an und werden daher als erste zur Einspeisung in das Netz zugeschaltet. Darauf folgen Kraftwerke mit höheren Grenzkosten – wie etwa Kohle- oder Gaskraftwerke – bis die prognostizierte Tagesnachfrage gedeckt ist. Die teuersten Kraftwerke können ihren Strom also nur dann verkaufen, wenn die Nachfrage das Angebot der billigeren Marktteilnehmer übersteigt. Umgekehrt gilt: Wenn Wasserkraftwerke oder Windräder den Strombedarf vollständig decken, verdrängen sie teurere Anbieter vom Markt.

Je größer der Anteil erneuerbarer (und damit billiger) Energie ist, desto niedriger ist der Preis. Das Problem für die Verbraucherinnen und Verbraucher: An den Strombörsen ist der Market-Clearing-Price (MCP) oder Markträumungspreis immer das letzte Angebot, das einen Zuschlag erhält. Das Kraftwerk mit den teuersten Grenzkosten (Grenzkraftwerk), das ganz hinten in der Einsatzreihenfolge steht, definiert damit den Börsenpreis für alle anderen eingesetzten Kraftwerke. Nutzt das letzte Kraftwerk in der Merit-Order-Rangliste fossiles Importgas, führt das bei hohen Gaspreisen automatisch zu einem höheren Großhandelspreis für Strom. Das bedeutet: Alle Stromerzeuger erhalten diesen Marktpreis, der an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird, auch wenn deren Angebote eigentlich viel billiger waren.

Unsere Mitglieder sind unsere Energie: Alexander Nitz vom Haus der Solidarität

         Alexander Nitz ist Gründungsmitglied des HDS, Haus der Solidarität, in Brixen. Im Interview mit Ötzi Strom spricht er über das Gemeinschaftshaus, seine Sicht auf die Welt, Nachhaltigkeit und Solidarität sowie seine Erwartungen an Ötzi Strom. 


  • Das Haus der Solidarität gibt „Menschen ein Heim, die anderswo keinen Platz finden“ – können Sie uns mehr darüber erzählen?

Seit 2002 „überbrückt“ das HdS jährlich 100 Menschen in Not. Senioren, Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familiensituationen, straffällige und haftentlassene Erwachsene, obdachlose und arbeitslose Menschen, psychisch Kranke, Suchtkranke, ausländische MitbürgerInnen, Flüchtlinge und AsylbewerberInnen, aber auch StudentInnen und Menschen, die sich für andere einsetzen, finden im HdS Hilfe und eine Bleibe. Das HdS beherbergt außerdem ökosoziale Organisationen. Die laufenden Kosten für die vielfältige Arbeit des HdS wurden bisher ohne öffentliche Beiträge abgedeckt. Das Haus finanziert sich lediglich durch Mieteinnahmen, durch eigene Aktivitäten und Spenden.

  • Wie sieht die Welt für Sie aus sozio-ökonomischer und umwelt-technischer Sicht im Jahr 2050 aus?

Sehr fragil. Wir sind an einen Punkt angelangt, wo es eine nie dagewesene Transformation braucht, wenn wir als Menschheit eine Zukunft haben wollen. Leider stelle ich fest, dass wir alle das wissen und auch nicht mehr leugnen, dass aber praktisch nichts geschieht. Jeder Tag, jede Stunde wäre kostbar, endlich zu handeln und unseren Kurs um 180 Grad zu verändern. Stattdessen verlieren wir uns im Klein-Klein der täglichen Probleme. Dabei kann ich mir sehr wohl eine Welt, eine bessere Welt vorstellen, in der wir weniger konsumieren, dafür mehr „sind“. Es ist eine Welt, in der wir uns global austauschen, aber fast nur noch lokal kaufen, reisen, leben, in der uns die Technologie hilft, eine gerechte und saubere Welt zu schaffen, nicht das Gegenteil, in der die Politik Menschen-, Tier- und Pflanzenrechte und das damit verbundene Gemeinwohl im Blick hat und nicht Partikularinteressen, in der wir arbeiten, weil es uns gefällt, und genügend Zeit haben, für das, was uns wirklich, wirklich gefällt, anstatt im Hamsterrad zu enden… 

  • Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit und wie spiegelt sich dies in Ihrem privaten bzw. beruflichen  Alltag?

Leider ist der Begriff inzwischen sehr verbraucht und missbraucht. Insgesamt frage ich mich inzwischen in allem, was ich tue, ob es gut ist für mich, die anderen, die Welt und nachkommende Generationen. Ich kaufe nur das, was ich wirklich brauche, wann immer es geht second-hand und lokal. Ich reise nicht mehr mit Flugzeug, und wenn irgendwie möglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Arbeit gehe ich zu Fuß, mit dem Rad oder mit den Öffis. Den Ausstoß des Autos kompensiere ich jährlich. Ich kaufe in den Geschäften meines Heimatdorfes und über eine GAS-Gruppe. Das Gemüse stammt vom Garten, Obst kaufe ich saisonal, wenn geht biologisch. Ich unterstütze AktivistInnen und helfe im Rahmen meiner sehr begrenzten Möglichkeiten beim Zukunftspakt mit.  Mein Geld habe ich bei Ethical Banking und Oikocredit angelegt. Und und und. Ich finde es als motivierende Herausforderung zu schauen, was noch geht. Auch in der Arbeit sieht es nicht anders aus: Wir sind Mitglied beim Banco Alimentare und helfen damit, das Wegwerfen von Lebensmitteln zu vermeiden. Wir kaufen lokal ein, wenn es irgendwie geht. Wir versuchen Wasser und Strom zu sparen. Demnächst bringen wir eine Fotovoltaik-Anlage an. Teile unseres Geldes sind ethisch angelegt. Wir sind in der Stadt möglichst zu Fuß und mit Rad unterwegs, ansonsten mit den Öffis (drei von uns fünf im Team fahren überhaupt nicht Auto). Wir haben gemeinsam mit der OEW das REX, ein Zentrum von gut Erhaltenem, was ansonsten weggeworfen würde, ins Leben gerufen. Wir haben eine Whatsapp-Plattform, in der Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, aber noch gut sind, an Bedürftige weitergegeben werden. Und und und. Aber all das reicht bei weitem nicht aus, wenn nicht die Politik ganz massiv hilft.

  • Warum haben Sie sich für Ötzi Strom entschieden? Welches war der ausschlaggebende Punkt?

Weil wir in allen Lebensbereichen, und so auch beim Strom, eine möglichst nachhaltige Lösung suchen müssen. Sowohl als Haus der Solidarität als auch privat. Natürlich muss ich sowohl beruflich als auch privat (in einer Familie mit fünf Kindern und einem Angestellten-Gehalt) stets auf die Geldtasche schauen. Aber das Angebot von Ötzi ist auch hier gut.

  • Was erwarten Sie sich von Ötzi Strom in den nächsten 5 Jahren?

Dass es den eingeschlagenen Weg der Nachhaltigkeit mit Nachdruck fortsetzt auch sonst Impulse im Sinne einer großen Transformation setzt, transparent bleibt, nicht auf quantitatives, sondern auf qualitatives Wachstum setzt und auf der politischen Ebene eine positive Kraft wird, nicht eine – und hier ist der Energiesektor wohl besonders anfällig – zu einer, die nur die Rendite im Blick hat.


Lektüre: „Weg, nur Weg“ – HDS

Biomethan: Ausgebremst

Ein „grüner“ Ersatz für fossiles Erdgas. In Italien sind zwar 50 neue Anlagen zur Produktion von Biogas aus Rest- und Abfallstoffen geplant. Deren Inbetriebnahme könnte sich trotz des Ukraine-Kriegs und der damit verknüpften Gaskrise allerdings um mehrere Jahre verzögern. Der Grund: Eine Aussetzung des Fördersystems hat Bankkredite in der Höhe von mehr als einer Milliarde Euro blockiert – und die Businesspläne der Betreiber zu wertlosem Papier werden lassen.

Der Hintergrund: Ein Dekret aus dem Jahr 2018 fördert die Entwicklung von Anlagen, die Bio-Methan durch die Zersetzung organischer Materialien erzeugen. Ziel war die Erzeugung von bis zu einer Milliarde Kubikmeter pro Jahr. Inhaber von Anlagen, die bis Ende 2022 in Betrieb gehen, haben daher einen Preisvorteil: Der in Italien für die Förderung erneuerbarer Energien zuständige GSE stellt diesen Betreibern für das am Markt bereits verkaufte Biomethan ein Zertifikat aus, dessen ökonomischer Wert sich auf die Menge der jeweils produzierten Kubikmeter bezieht. Dieser Förderungs-Mechanismus schützt die Betreiber der energieintensiven Anlagen vor dem Anstieg der Energiekosten. Die langen Genehmigungsverfahren haben das Dekret von 2018 allerdings ausgebremst: Bis Ende 2021 wurden Anlagen in Betrieb genommen, die 150 Millionen Kubikmeter pro Jahr produzieren – also deutlich weniger als das ursprünglich angepeilte Ziel. Daher wurde zuerst eine Ausweitung des Förderungssystems bis Juni 2026 in Aussicht gestellt. Im Herbst 2021 wurde die Förderung aufgrund der Umsetzung der RED-II-Richtlinie der EU dann  – für Anlagen, die nach dem 31. Dezember 2022 die Produktion aufnehmen – ganz gestrichen. Und in neuer Förderungsmechanismus liegt bis heute – aller Ankündigungen zum Trotz – noch nicht vor.

Unsere Mitglieder sind unsere Energie: Michael Steinwandter von 1k HOPES

1k HOPES  – www.1khopes.org –  ist ein Projekt des Südtiroler Biologen, Wanderführers, Umweltaktivisten und Bloggers Michael Steinwandter. Gemeinsam mit seiner Familie strebt er ein nachhaltiges Leben an und will andere in der Region und der Welt dazu inspirieren.

Im Interview mit Ötzi Strom spricht Michael Steinwandter über Nachhaltigkeit im Alltag, aktiven Umweltschutz und Perspektiven für einen ökologischen und ökonomischen Wandel.

Ötzi Strom: Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit und wie zeigt sich diese in deinem Alltag?

Michael Steinwandter: Nachhaltigkeit ist für mich die Art und Weise, so zu leben und zu arbeiten, dass man jetzt und der Zukunft fair gegenüber der Natur, den Mitmenschen und dem Klima ist. Im Alltag versuche ich mit meiner Familie so viel wie möglich davon umzusetzen, was natürlich nicht immer einfach und möglich ist. Zum Beispiel verzichten wir auf das Auto, soweit es geht, und gehen zu Fuß oder nehmen das Fahrrad. Unseren Wohnort am Ritten haben wir genau deshalb ausgewählt, da wir von dort aus die meisten Strecken mit der Seilbahn, dem Rittner Bahnl und zu Fuß zurücklegen können. Weiters kaufen wir die meisten Produkte in Bio-Qualität, bevorzugen lokale und regionale Produkte, kochen vegetarisch und oft vegan, und versuchen unseren Verbrauch an Verpackungen zu reduzieren. Viele technische Gegenstände kaufen wir gebraucht und upcyclen ständig Dinge vom Recyclinghof. Wir haben das Glück in einer modernen Wohnung zu wohnen, wo die Wärme und das Warmwasser mit Strom produziert wird. Wir beziehen 100% Ökostrom durch Ötzi Strom, und produzieren einen kleinen Teil zusätzlich durch unsere 400W PV-Anlage am Balkon.

Ötzi Strom: Warum hast du dich für Ötzi Strom entschieden?

Michael Steinwandter: Ich war mit meinen früheren Stromanbietern unzufrieden, da ich zwar anscheinend Öko-Strom bezog, dieser in der Strommix-Tabelle aber nur ein Drittel ausmachte, und sogar mit jedem Jahr zurückging, während fossile und nukleare Energiequellen zunahmen! Als neugieriger und kritischer Mensch habe ich nachgefragt und wurde stets mit vagen Erklärungen abgewimmelt. Das Ganze klang also stark nach „Greenwashing“. Bei Ötzi Strom fühle ich mich seit dem ersten Tag „dazugehörig“, die Infos per Newsletter und den Sozialen Medien sind für mich immer sehr informativ. Als Kunde fühlt sich die Philosophie hinter Ötzi Strom eben sehr authentisch und transparent an. Und natürlich war mir auch wichtig, dass mein Strom zu 100% aus regionalen erneuerbaren Quellen kommt, und da bin ich bei Ötzi Strom genau richtig

Ötzi Strom: Wie wird die Welt für dich aus sozio-ökonomischer und umwelt-technischer Sicht im Jahr 2050 aussehen?

Michael Steinwandter: 2050 und auch 2030 markieren für unsere Zivilisation sehr wichtige Meilensteine, denn bis 2050 sollten wir klimaneutral sein, um eine Klimakatastrophe bestmöglich abzuwenden. Auch wenn diese Meilensteine noch weit weg erscheinen, haben wir es versäumt, viel früher zu agieren und somit einen sanften Anpassungsprozess verschlafen. Nun „muss“ der Wandel schnell kommen, denn unser Klimasystem ist sehr träge: Auch wenn wir ab morgen klimaneutral wären, würden die Erderwärmung und die daraus folgenden Wetterextreme noch 20 bis 30 Jahre nachwirken. Ich habe die Hoffnung, dass es – aus welchen Grund auch immer – in den Köpfen der Menschen, vor allem der Entscheidungsträger:innen, endlich „klick“ macht, und sie die Weichen für einen Wandel stellen. Diesen „Klick“ muss es auch noch hinsichtlich der Anerkennung der Leistungen machen, welche die Natur für uns tagtäglich bereitstellt. Und vermutlich könnte uns noch ein gewaltiger technischer Fortschritt aus der Patsche helfen. Aber, auch wenn ich technisch sehr interessiert bin, würde ich mich darauf nicht verlassen. Wenn wir es also schaffen würden, einen sozio-ökologischen Wandel in Gesellschaft, Natur und Technik zu erreichen, dann sehe ich für 2050 eine Welt, wo es sehr vielen gut geht und nicht nur einzelnen. Gewünscht ist eine Welt, in der Gesellschaft, Wirtschaft und Natur miteinander und nebeneinander friedlich existieren und voneinander profitieren können. Wenn wir es nicht schaffen, wird es in 2050 – so meine Befürchtung – nicht sehr freundlich aussehen.

Ötzi Strom: Du bist ja auch Vater – was für eine Welt/Umwelt wünschst du dir für deine Kinder?

Michael Steinwandter: Wenn man heute Zeitungen und Nachrichtendienste liest, könnte man glauben, die Welt steht kurz vor dem Untergang. Es ist mir aber auch bewusst, dass einige Medien dieses Bild oft gezielt hervorheben, da es mehr Emotionen auslöst als positive News. Deshalb konzentriere ich mich vorwiegend auf „Good News“ und dabei zeigt sich, dass nicht alle Menschen böse und zerstörerisch sind, und gierig und egoistisch agieren. Das faire und sozio-ökologische Weltbild für 2050, das ich vorher erwähnt habe, ist also durchaus möglich und wird von vielen kreativen und mutigen Köpfen vorangetrieben. In unserer großen Welt gibt es also viel Empathie, Mitgefühl und den Willen mit der Natur und nicht gegen sie zu leben. Genau diese Welt wünsche ich mir für meine Kinder und auch für alle Menschen. Eine Welt, wo alle fair miteinander leben, sich respektieren, und wo wir uns als Teil der Natur, als Quelle des Lebens sehen und verstehen, nicht als ihr Bezwinger. Das klingt natürlich romantisch und utopisch, aber so sind wir Umweltaktivisten halt: Wir geben die Hoffnung niemals auf und engagieren uns dafür, diesem Weltbild näher zu kommen, wenn auch in sehr kleinen Schritten.

Ötzi Strom: Was erwartest du dir von Ötzi Strom in den nächsten fünf Jahren?

Michael Steinwandter: Ötzi Strom wirkt für mich nicht wie ein klassischer Stromanbieter, sondern wie eine progressive Gemeinschaft, die, neben der Verbreitung von Öko-Strom, ihre Mitglieder für den sozio-ökologischen Wandel begeistern will. Ötzi Strom spricht kontinuierlich spannende Themen an, wie Energiegenossenschaften, Balkonkraftwerke oder E-Mobilität. Deshalb ist es für mich schwer zu sagen, was ich von Ötzi Strom erwarte, da ich schon jetzt ständig überrascht werde. In den nächsten fünf Jahren wünsche ich mir, dass Ötzi Strom weiter wächst und die Energiewende in Südtirol vorantreibt. Zudem sollte Ötzi Strom verstärkt die Industrie und die Wirtschaft versorgen, da diese oft noch „schmutzigen Strom“ beziehen.

Ötzi Strom: Mit 1k HOPES hast du deine eigene Umweltschutzorganisation gegründet. Erzähl uns bitte mehr darüber.

Michael Steinwandter: Die Idee hinter 1k HOPES ist, meinen persönlichen Aktionsradius außerhalb meiner Familie zu vergrößern. Ich habe das Projekt Ende 2020 vorwiegend aus einem gewissen Frust gegründet, da ich überall viel Diskussion, aber auch viel Untätigkeit sah. 1k HOPES nimmt, unter anderem, die selbstlose Philosophie von Ecosia, der grünen Internetsuchmaschine, als Vorbild, und treibt Aktionen in Form von „1000 Hoffnungsschimmern“ voran, die den sozio-ökologischen Wandel unterstützen sollen. Zum Beispiel pflanzen wir Bäume und stellen Vogelnistkästen auf, spenden für Klimaschutz- und Umweltprojekte und nehmen an Klimastreiks teil oder sammeln Kleiderspenden. Neue Aktionen kommen ständig dazu! Zurzeit bin ich mit 1k HOPES aktiv bei ClimateAction.BZ beteiligt und somit Teil der jungen und motivierten Südtiroler Klimaschutzbewegung.

Erneuerbare Energien: Der europäische Vergleich

Der in Italien für die Förderung erneuerbarer Energieträger zuständige GSE (Gestore Servizi Energetici) hat die Position erneuerbarer Energieträger wie Wind, Sonne, Biomasse oder Wasser im Energiemix der EU und Energiemix mehrerer großer EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2020 untersucht. 

Demnach deckte Italien 20,4 % seines gesamten Energieverbrauchs mit erneuerbaren Energieträgern ab, der Anteil von fossilem Gas lag 2020 bei 40 %, der Anteil der Erdölprodukte bei 33 %. In den 27 EU-Staaten betrug der Anteil der Erneuerbaren vor zwei Jahren 22,1 % in Spanien 21,2 %, in Deutschland 19,3 % und in Frankreich 19,1 %. Beim Strom lieferten die Erneuerbaren in Italien 38,1 % der konsumierten Energie (EU 27: 37,5 %, Deutschland 44,7 %, Spanien 42,9 %, Frankreich 24,8 %), beim Wärmeverbrauch waren es in Italien 19,9 %, (EU-27 23,1 %. Deutschland 14,8 %, Spanien 18 %, Frankreich 23,4 %). 

Besonders niedrig war der Einsatz erneuerbarer Energie im Transportwesen. Dort betrug deren Anteil EU-weit 10,2 %, in Italien 10,7 %, in Deutschland 9,9 %, in Spanien 9,5 % und in Frankreich 9,2 %. Interessant: Beim italienischen Stromverbrauch ist der Anteil erneuerbarer Energieträger in den vergangenen Jahren nur in einem bescheidenen Ausmaß gewachsen – von 34 % (2016) auf 38,1 % (2020). 

Übrigens: 2020 deckte Österreich 78 % seines Stromverbrauchs mit erneuerbarer Energie ab und nahm damit im EU-Vergleich – vor Schweden (74 %), Dänemark (65 %) und Portugal (58 %) – den Spitzenplatz ein. 

Diese Zahlen zeigen auch: Es gibt noch viel zu tun. 2030 müsste Italien auf der Grundlage des Nationalen Plans für Klima und Energie (PNIEC) 30 Prozent seines gesamten Energieverbrauchs mit Erneuerbaren abdecken – immerhin 10 % mehr als 2020!