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COP27: Don’t Look Up

Copyright Bild: https://live.worldbank.org/cop27

Kennt ihr die Kinokomödie „Don’t Look Up“ mit Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence in den Hauptrollen. Der Plot erinnert an die Positionierung zahlreicher Staaten auf der ‚“27th Conference of the Parties to the United Nations Framework Convention on Climate Change“ (COP27) im ägyptischen Tourismuszentrum Sharm el-Sheikh. Ein US-amerikanischer Astronom entdeckt einen Kometen, der auf die Erde zurast – und die wenig interessierten politischen Entscheidungsträger fordern die Bevölkerung mit dem Slogan „Don’t Look Up“ so lange auf, „Ruhe zu bewahren“, bis die Apokalypse dann wirklich eintritt. Auch in Sharm el-Sheikh wollte man offenbar nicht allzu genau hinschauen. Die nach langen Verhandlungen verabschiedete Abschlusserklärung der – um 36 Stunden verlängerten – Weltklimakonferenz bestätigt zwar den bereits beschlossenen Ausstieg aus der Kohleverstromung, verzichtet aber auf Einschränkungen bei der Verbrennung von Erdöl und fossilem Gas. Das bei der Pariser Klimakonferenz 2015 mühsam ausgehandelte 1,5-Grad-Ziel wird erwähnt – aber konkrete und vor allem weltweit verpflichtende Maßnahmen zur Abschwächung der Erderwärmung sucht man in diesem Kompromiss vergebens. Dennoch gelang in Sharm el-Sheikh zumindest ein Durchbruch: Die Delegationen beschlossen die Einrichtung eines Fonds zum Ausgleich der Verluste und Schäden (loss and damage) durch den Klimawandel. Er soll in Zukunft die Entwicklungsländer unterstützen, die durch die Klimakrise besonders verwundbar sind und durch zusätzliche Finanzinstrumente ergänzt werden. Die V20-Gruppe aus 58 besonders gefährdeten Staaten beziffert ihre in den vergangenen 20 Jahren entstandenen Kosten auf 525 Milliarden US-Dollar. Studien zufolge könnten die Schadenssummen weltweit bis 2050 auf 1,0 bis 1,8 Billionen US-Dollar jährlich ansteigen. Aber wer soll das bezahlen? Jene Weltregionen, die historisch am meisten zum Klimawandel beigetragen haben (Europa und die USA) oder die mächtigen Großverschmutzer des 21. Jahrhunderts (USA und China) oder Unternehmen, die Treibhausgase ausstoßen? So viele Fragen – und (noch) keine Antworten.

Zeitgleich zur Weltklimakonferenz in Ägypten haben Germanwatch, das NewClimate Institute, und das Climate Action Network International ihren Climate Change Performance Index (CCPI) 2023 veröffentlicht. Der CCPI ist ein unabhängiges Überwachungsinstrument zur Verfolgung der Klimaschutzleistung von 59 Ländern und der EU. Der Bericht soll einen Vergleich dieser Klimaschutzbemühungen ermöglichen. Die Klimaschutzleistung von Staaten, die zusammen 92 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen, wird in vier Kategorien bewertet: Treibhausgasemissionen, erneuerbare Energien, Energienutzung und Klimapolitik. Im EU-internen Vergleich liegt Italien mit Frankreich, Spanien, Österreich, Griechenland oder Kroatien, als „medium performer“ im Mittelfeld. Neun EU-Länder mit Schweden und Dänemark an der Spitze gehören zur Gruppe der „high and medium performer“. Ungarn und Polen sind die einzigen EU-Staaten mit einer sehr niedrigen (very low) Bewertung – zu dieser Kategorie gehören auch Kanada, die USA, Japan, Australien, China oder Russland. Das weltweite Ranking führen Dänemark, Schweden, Chile, Marokko, Indien, Estland, Norwegen und Großbritannien an. Italien liegt auf Platz 29 – hinter Frankreich und vor Kroatien. Die letzten drei Positionen belegen Kasachstan, Saudi-Arabien und der Iran.