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DER SOLARPARK WITZNITZ: DIE ZUKUNFT DER ENERGIE

„Von Bozen bis Trient geht es neun Meilen weg in einem fruchtbaren und fruchtbareren Tale hin. Alles, was auf den höheren Gebirgen zu vegetieren versucht, hat hier schon mehr Kraft und Leben, die Sonne scheint heiß, und man glaubt wieder einmal an einen Gott!”, schreibt Goethe in seiner „Italienischen Reise”. Im 21. Jahrhundert wäre das „Land, wo die Zitronen blühen“ mit der „heißen Sonne” eigentlich ein guter Standort für Solarkraftwerke – stattdessen steht der leistungsstärkste europäische Solarpark heute in Witznitz unweit von Leipzig.

Im April 2024 hat die Hansainvest Real Assets GmbH – ein Unternehmen der deutschen Versicherungsgruppe Signal-Iduna – diesen Solarpark im Umland der sächsischen Landeshauptstadt gemeinsam mit dem Kraftwerksentwickler und PV-Spezialisten MoveOn Energy offiziell in Betrieb genommen. Schon seit Ende 2023 erzeugt die Anlage im Besitz von Hansainvest mit einer installierten Leistung von 605 Megawatt (MW) grünen Strom. MoveOn Energy wird am Standort Witznitz noch in diesem Sommer in einem eigenen Solarkraftwerk zusätzliche 45 MW an Leistung installieren und ebenfalls Sonnenstrom in das Netz einspeisen. Dann kann der Solarpark Witznitz mit seinen 1,1 Millionen PV-Modulen etwa 200.000 Vier-Personen-Haushalte mit „grünem“ Strom aus erneuerbarer Energie versorgen.

Von der Braunkohle-Förderung zum Sonnenstrom: Der Energiepark Witznitz liegt im 1946 eröffneten und erst 1993 stilgelegten Braunkohletagebau Witznitz II. Die Errichtung des 500 Hektar Solarparks ergänzt dort die aufwändige Revitalisierung einer von der Kohleförderung weitgehend zerstörten Landschaft. Zudem soll eine landwirtschaftliche Parallelnutzung auf den Flächen unterhalb der Solarmodule gestestet werden. Für dieses Agrifotovoltaik-Experiment steht in einem ersten Schritt eine Fläche von fünf bis zehn Hektar zur Verfügung. Mindestens 30 Jahre lang soll der Solarpark Witznitz Strom produzieren. Dessen Vermarktung hat Next Kraftwerke übernommen: Das Unternehmen mit Sitz in Köln verkauft einen Großteil der in Witznitz produzierten Energie mit einem Power Purchase Agreement (PPA) an seine Konzernmutter Shell. Der Mineralölkonzern will – nach eigenen Angaben – mit dem „grünen” Solarstrom aus Sachsen sein Portfolio an kohlenstoffarmer Energie erweitern, um bis 2050 profitabel zu einem Netto-Null-Emissions-Energiegeschäft übergehen zu können.